Das Ringspinnverfahren — der Goldstandard
Beim Ringspinnverfahren werden Baumwollfasern in einem kontinuierlichen Prozess zu einem eng verdrehten Garn verarbeitet. Der Schlüssel: Lange Fasern werden bevorzugt, parallell ausgerichtet und dann mehrfach verdreht. Das Ergebnis ist ein gleichmäßiges, glattes, sehr festes Garn mit natürlichem Glanz.
- Verwendete Fasern: lang bis sehr lang (Egyptian Cotton, Pima Cotton, standard ringspun)
- Garnstruktur: eng verdreht, glatt, kompakt
- Haptik: weich, bei Benutzung weicher werdend
- Haltbarkeit: sehr gut, auch nach 100+ Wäschen
- Kosten: ca. 30–40 % teurer als Open-End
Das Autocoro / Open-End-Verfahren — die Fabriksoptimierung
Beim Open-End- oder Autocoro-Verfahren werden Baumwollfasern mit einem Rotor oder Luftstrom zu Garn geformt — schneller, günstiger, vollautomatisiert. Kürzere Fasern sind verwendbar. Das Garn ist luftiger, weniger dicht verdreht und hat eine leicht rauere Oberfläche.
Open-End-Garn ist nicht grundsätzlich schlecht — es gibt durchaus akzeptable Qualitäten. Aber es altert anders: Statt weicher zu werden, beginnt es zu pilling, verliert Formstabilität und wirkt nach 20–30 Wäschen deutlich matter.
Der Praxistest
Falten Sie ein frisches Billighandtuch (Open-End, 400 g/m²) und ein hochwertiges Handtuch (Ringspun, 500 g/m²). Das Billighandtuch fühlt sich neu vielleicht vergleichbar an. Nach 30 Wäschen: Das Open-End-Handtuch pillt, wirkt matt und dünn. Das Ringspun-Handtuch ist weicher geworden — Fasern öffnen sich beim Waschen leicht.
Warum die Discounter-Spirale nicht aufhört
Der Preisdruck auf Textilhändler ist enorm. Wer Handtücher für 2,99 € anbieten will, muss irgendwo sparen. Die Reihenfolge der Einsparungen in der Praxis:
- 1Kürze Rohbaumwolle statt Langfaser — spart 15–20 %
- 2Open-End statt Ringspun — spart weitere 20–30 %
- 3Weniger Gramm pro m² — von 500 auf 400 oder sogar 350 g/m²
- 4Günstiger Farbstoff (Pigment statt Reaktivfärbung) — spart beim Färbeprozess
- 5Verzicht auf Zertifizierungen — spart Prüfgebühren
Das Ergebnis: Ein Handtuch, das neu gut aussieht und sich angenehm anfühlt — aber nach 20 Wäschen merklich altert. Im Privathaushalt mit 50 Wäschen pro Jahr kaum ein Problem. Im Hotel mit 300 Wäschen pro Jahr ein Desaster.
Wie erkennt man gute Qualität vor dem Kauf?
- Gewicht ≥ 500 g/m² — unter 400 g/m² ist im Profibereich selten ausreichend
- «Combed» / «Gekämmte Baumwolle» auf dem Etikett — weist auf längere Fasern hin
- «Ringspun» ausgewiesen — selten, aber ein echtes Qualitätsmerkmal
- OEKO-TEX® Standard 100 — schadstofffrei, aber sagt nichts über Garnqualität
- «Made in Green» — schließt nachhaltige Produktionsmethoden ein
- Fühlen: Ringspun fühlt sich matter-glatt an, Open-End eher weich-flauschig-wollig
Waschen Sie ein Muster-Handtuch 5 Mal bei 60 °C, bevor Sie eine große Bestellung aufgeben. Open-End-Qualitäten zeigen bereits nach wenigen Wäschen Pilling, Ringspun-Qualitäten werden weicher.
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